Gemeinsamer Boden

Zweikanal Videoinstallation, Farbe, stereo, 15 Minuten 

Bilder: Videostills, Ausstellungsansicht Werkschau, Juni 2018, Messe Luzern

Der Videoinstallation Gemeinsamer Boden geht ein partizipatives Projekt voraus, das Benjamin Heller und Dorothea Schill in einem heterogenen Quartier am Stadtrand von Luzern umgesetzt haben.

 

Durch eine intensive performative Recherche vor Ort haben Heller und Schill, welche damals selber in dem Quartier gewohnt haben, Anwohner*innen und Akteur*innen des Quartieres persönlich kennengelernt. In einem leerstehenden Ladenlokal haben sie Diskussionen zu Quartier-relevanten Themen des Zusammenlebens durchgeführt. Themen waren u.a. Mitbestimmung, das Nebeneinander von Sexgewerbe und Anwohner*innenschaft, unterschiedliche Religionen im Zusammenleben sowie Machtstrukturen und Besitzverhältnisse. Die Diskussionsteilnehmer*innen wurden gezielt so eingeladen, dass zu den ausgewählten Themen oppositionelle Meinungen und Standpunkte vertreten waren. Reale Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlichster Positionen wurden ermöglicht. Es wurde ein Begegnungs- und Konfrontationsraum geschaffen, in dem Annäherung und Austausch stattfinden konnten. Doris, die seit vielen Jahren ihr Geld mit Sexarbeit verdient, trank Kaffee mit Herr Weber, der bei der Stadtpolizei für das Quartier zuständig ist (und Doris auch schon mal verhaftet hatte). 

 

Die Diskussionen wurden auditiv aufgezeichnet. Die Aufnahmen dienen als Fundus für einen Text, in dem die unterschiedlichen Diskussionen zusammenfliessen. Dieser Text wird für die Videoinstallation von einer Sprecherstimme gelesen und mit Bildmaterial ergänzt. Die Bilder zeigen stille, menschenleere Aufnahmen von Gebäuden, Zwischenräumen und Häuser, die in Bezug zueinander stehen. Dadurch werden inhaltliche Fragen durch eine architektonische, visuelle Ebene erweitert. Die beiden Projektionen der Installation wechseln sich gegenseitig ab und unterstreichen damit Pausen und Wendungen im Text.  

 

War der Fokus im ersten Teil des Projektes nahe bei den einzelnen Geschichten und Personen, ist er im zweiten Teil auf einer allgemeineren Ebene. Die Erzählungen werden von den Personen distanziert, essentielle Themen werden abgeleitet und in ihrer ortsunabhängigen Relevanz betont.